Es mag sein, dass es die wahre Hölle für uns nie gegeben hat. Aber genauso ist es wahr, dass es nie ein wirkliches Versprechen des Paradieses gab. Das Schwierige im Leben waren nicht die Entscheidungen, die uns abgenommen wurden, sondern die wir selbst trafen. Wir sind irgendwo dazwischen gelandet. Das ist das Problem. Unsere Fallhöhe war weder tief noch sonderlich hoch.

PLASTIK

Der Protagonist schlägt sich als Barkeeper durch das Berliner Nachtleben. Drogen und wechselnde sexuelle Bekanntschaften bilden die Substanz, mit der er sich gezielt identifiziert. Als seine Exfreundin wieder in seinem Leben auftaucht und er seinen Job verliert, kann er seine Blase nicht aufrechterhalten und muss sich der Frage stellen, was noch Relevanz in seinem Leben besitzt – in einer Gesellschaft, die sich der vollkommenen Befriedigung narzisstischer Bedürfnisse und künstlicher Schönheitsideale verschrieben hat.

The protagonist struggles through Berlin’s nightlife as a bartender. Drugs and various sexual encounters form the substance with which he identifies deliberately. When his ex-girlfriend reappears in his life and he loses his job, he is unable to sustain his bubble and has to face up to the question of what is still relevant in his life – in a society that has dedicated itself to the complete satisfaction of narcissistic desires and artificial beauty standards. 

Olive Cotton, Max after surfing, 1939.

PRÉLUDE

Beim Vietnamesen essen. Von der Decke hängen Laternen aus Bambuspapier. Die Ente ist miserabel. Dich im Spiegel anschauen. Wie bist du hier gelandet? Es ist jetzt Nacht. Die Straßen sind leer. Luft anhalten. Rauch durch die Nase blasen. Im Flur auf und ablaufen. Auf dem Boden steht ein zerbrochenes Glas. Onanieren. Gefühle in Frauen hineinprojizieren. Sich die Achseln rasieren. Den Finger in den Hals stecken. Salutieren. An deinen Nägeln kauen. So tun, als würdest du weinen. Im Flur auf und ablaufen. Vor dem Spiegel verweilen. Pornographische Filme schauen. Da sind Frauen, die bellen.

Deine Vorhänge sind heruntergerissen. Man kann dich sehen. Das macht dir nichts. Du kennst die anderen Mieter nicht. Niemand wagt es dich anzusprechen. In einem Jahr bist du weg. Die Decke anstarren. Da ist ein Fleck. Hysterisches Lachen. Dich aus dem Fenster lehnen. Gefühle für Frauen erwägen. Du stellst dir vor, die Frau aus dem Porno säße in deinem Zimmer und würde sich mit dir unterhalten und du kriegst Angst. Paranoid Objekte in deiner Wohnung beäugen. Tief Luft holen. Dich ernsthaft betrinken. Deine Existenz ist symbolisch. Mondlicht scheint in dein Zimmer. Es ist wieder Nacht. An deinem Hintern riechen und an weibliche Öffnungen denken. Bald bist du weg. Betrunken Nachrichten absenden. Salz in die Wunden streuen. Dich wie ein Märtyrer fühlen.